Modell der Kirche - Historischer Verein

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Modell der Kirche

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Bericht des Badischen Tagblattes vom 24.12.2007

Der Kuppenheimer Franz Rauchberger hat die Pfarrkirche im Modell nachgebaut / Knifflige Aufgabe in zwei Jahren bewältigt
Ungewohnte Perspektiven im Kleinformat
von Sabine Wenzke

Kuppenheim - Es ist vollbracht: Pünktlich zum Weihnachtsfest hat der Hobbybastler Franz Rauchberger sein bisher schwerstes Werk vollendet: Die katholische Pfarrkirche St. Sebastian im Kleinformat. Insgesamt zwei Jahre dauerten die Arbeiten, gut 2.000 Stunden hat er investiert, schätzt der 67-Jährige, doch wahrscheinlich waren es weit mehr. Das Modell im Maßstab 1:50 wird am 20. Januar bei dem jährlichen Stehempfang der Pfarrgemeinde im St.-Sebastian-Haus vorgestellt und danach bis Ende Februar im Foyer des Rathauses präsentiert.

Der Kuppenheimer freut sich, dass sein Werk damit nun auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dekan Gerold Siegel war bereits da; auch Bürgermeister Karsten Mußler stieg schon in den Hobbykeller hinab, um das gelungene Modell vorab zu begutachten. "Es hat ihnen gefallen, und sie waren auch beeindruckt", erzählt Rauchberger, der "mit Begeisterung" die große Herausforderung bewältigt hat - auch wenn er am Anfang manchmal Zweifel hatte, ob es gelingen würde, seinen Kirchenbauplan auch wirklich so umzusetzen, wie er es sich vorgestellt hatte (wir berichteten). Jetzt aber ist er erleichtert, glücklich und "stolz, dass es so geworden ist."
Wie das imposante Original im Herzen der Stadt besticht auch das Modell durch beeindruckende Detailvielfalt. Basis für Rauchbergers Werk waren Kopien der historischen Baupläne von 1900, die sich der Kuppenheimer beim Erzbischöflichen Bauamt besorgt hatte. Beim Studieren der Pläne fiel ihm dann auf, dass Plan und Wirklichkeit bei einigen Details nicht übereinstimmten, und so entschied er sich in diesen Punkten für eine Kombination aus beiden.
Die Miniaturkirche besteht aus Holz und hat auch ein "Innenleben", das als erstes entstanden ist. Nachgebaut und in filigraner Arbeit ausgestaltet ist der Kirchenraum, der sich beleuchten lässt. Beim Blick durch das geöffnete Eingangsportal in das erhellte Kircheninnere entsteht der Eindruck, man schaut in das "echte" Gotteshaus, aus dem überdies Orgelmusik erklingt. Als Clou lässt sich das Dach abnehmen, der Blick kann somit ungehindert durch das Innere schweifen. Überhaupt hat der pfiffige Bastler vieles so konstruiert, dass es sich mit einfachen Handgriffen problemlos entfernen und wieder anbringen lässt, wenn das Modell transportiert werden muss. Viel Kreativität und Tüftelei war erforderlich, um alle Gegenstände nachzubilden- so die kleinen Butzenfenster, die er aus Plexiglas ausgestanzt und Teil für Teil angemalt hat oder die unzähligen Schindeln. Rauchberg: "Allein für die Ziegeln habe ich mehrere Wochen gebraucht."
Zu den wenigen gekauften Teilen zählen rund 120 winzige unbehandelte Figuren, die er jedoch selbst angemalt hat. Sie stellen die Besucher in und um die Kirche dar. Außerdem sind echte Kieselsteine in der Außenanlage verarbeitet, ebenso wie farbige Stecknadelköpfe. Sie bilden die blühenden Rosen. Die guten Ideen kamen dem Rentner meist am Abend oder nachts. "Ich hatte daher immer einen Zettel am Nachttisch, um gleich alles aufschreiben zu können, wenn mir wieder etwas eingefallen ist."
Für das Kirchenmodell hat Rauchberger "lichtechte Farben" benutzt, damit das Werk nicht ausbleicht. Die Farben hat er natürlich selbst gemischt, um den richtigen Ton zu treffen. Außerdem eröffnet das freistehende Modell auch ungewohnte Perspektiven, verweist Rauchberger auf den Balkon über dem Kirchenportal im Innenhof, der beim Original nicht unbedingt ins Auge fällt, weil das Alte Rathaus davorsteht.
Die Präsentation des Kirchenmodells im Januar wird mit einigen Informationen ergänzt. An Schautafeln, die der Kuppenheimer ebenfalls gestaltet, werden Stufen des Entstehungsprozesses im Bild mit kurzen Erläuterungen gezeigt. Auch Kopien der historischen Pläne werden zu sehen sein.
Franz Rauchberger, der bereits Modelle der historischen Altstadt Kuppenheims und einer einstigen Töpferwerkstatt in der Schloßstraße gefertigt hat, hegt nach St. Sebastian "vorerst keine weiteren Pläne für ein größeres Projekt."
Ganz lassen kann es der geschickte Tüftler freilich nicht. Er bastelt momentan an einem Steinzeitbohrer, den er nebenbei angefangen hat, wie er beiläufig erzählt.


 
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