Altstadtmodell - Historischer Verein

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Altstadtmodell

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Das Modell der mittelalterlichen Stadt Kuppenheim
um 1600



Franz Rauchberger, 2. Vorsitzender, hat ein Modell der Stadt wie sie etwa um 1600 ausgesehen hat in eineinhalbjähriger fast täglicher Arbeit geschaffen. Beim Betrachten des Modells muss man sagen, dass hier nicht nur hohes technisches Können, sondern auch eine Menge Kreativität, Ideenreichtum und historisches Wissen am Werk waren.




Grundlagen
Zur Erarbeitung des Modells stellte sich zunächst folgendes Problem: Die Stadt sollte etwa um 1600 dargestellt werden. Damals war sie noch unzerstört und als Amtsstadt und spätere Oberamtsstadt auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung. Es existierte aber nur ein Stadtplan von 1865.Auf diesem Plan sind manche Gebäude aufgeführt, die zu diesem Zeitpunkt um 1600 noch nicht existierten, andere dagegen fehlten.
Aber in den wichtigsten Punkten wie Mauer, Graben, Kirche, Verlauf der Friedrich- und der Rheinstraße kann der Plan von 1864 jedoch ohne weiteres um mehrere Jahrhunderte rückwirkend Gültigkeit haben.
Was die Wohnhäuser betrifft, kann man davon ausgehen, dass die Standorte im großen und ganzen über Jahrhunderte hinweg gleich geblieben sind, da man selbst nach Bränden meistens wieder auf die alten Keller aufbaute. Nur im Bereich neuer Straßen im südwestlichen Viertel könnten sich Veränderungen ergeben haben.


Die Befestigung der Stadt
Besonders bekannt war Kuppenheim wegen seiner starken Befestigung. Die wichtigsten Bestandteile waren die Stadtmauer und die Tortürme.
Kuppenheim besaß 3 Stadttore, die mit Türmen befestigt waren:
Das Obere Tor, Standort Straßenmitte bei Weinhandlung Görig/Söhne. Turmhöhe ca. 30m.
Das Untere Tor, Standort Straßenmitte beim Textilgeschäft Zäpfel, Turmhöhe ca. 20 m. Das Bruchtor, Standort etwa bei der Einmündung der Rheintorstraße, Turmhöhe unbekannt.
Die Türme wurden nacheinander im ersten Viertel des 19. Jh. abgerissen.
Ein Tor nach Osten in Richtung Murgtal gab es nicht.

  






Die Stadtmauer mit überdachtem Wehrgang war ca. 8m hoch und bis zu 2 m breit. Sie umschloss die ovalförmig angelegte Stadt auf eine Länge von ca. 1 km.
Der Stadtgraben um die Stadtmauer herum war ca. 15 m breit und 4 bis 5m tief. Er wurde durch einen „äußeren Graben“ (Belzenbach und Entenbächlein ) mit Wasser versorgt.
Der Wall (aufgeworfene Erde, vermutlich vom Aushub des Grabens ) bildete einen weiteren Ring um Mauer und Graben. Er war etwa 10m breit, vermutlich 1 m hoch und mit Hecken bewachsen.
Wall und Graben verhinderten, dass die Feinde direkt an die Stadtmauer herankommen oder Geschütze heranschieben konnten.
Eine verstärkte Befestigung zeigte sich an der Südseite der Stadt. Von daher drohten am ehesten feindliche Angriffe, da Feinde die Stadt vom Siegberg aus am leichtesten beschießen konnten. Im Norden und Nordosten verhinderten dagegen die verzweigten Wasserläufe der Murg jede Belagerung. Im Westen war „Bruch“, sumpfiges Gebiet.
Deshalb befand sich an der Südseite der mächtigste Torturm, das „Obere Tor“. Der Stadtgraben war an dieser Stelle besonders breit. Als zusätzlicher Schutz an der südöstlichen Seite lief parallel zur Stadtmauer die Zwinglimauer.

Die Zwinglimauer war eine zweite, niedrigere Mauer an der Südostseite der Stadt. Sie verlief außen im Abstand von ca. 4 –5 m parallel zur Stadtmauer. Der Streifen im Zwischenraum, der Zwingel, der auf heutigen Stadtplänen fälschlich als „Stadtgraben“ bezeichnet wird, war ein geschützter Umgang zwischen Stadtmauer und Graben, der auch der Verteidigung diente. Er wurde im Osten vom Hexenturm, im Süden vom Oberen Torturm begrenzt.
Der Hexenturm(beim heutigen Kindergarten) war vermutlich zugleich Flankenschutz für das Schloss.


Das Innere der Stadt
Im Stadtinnern sind die Häuser auf den angegeben Grundrissen dargestellt.
Von der früheren Kirche ist nur der Grundriss bekannt. Sie war nicht so breit wie die jetzige Kirche und besaß kein Querschiff. Die Höhe des Turmes ist nicht bekannt. Das Modell zeigt den Turm so, wie er auf einer Zeichnung aus dem 19. Jh. zu sehen ist.
Um die Kirche herum existierte ein Friedhof, der mit einer Mauer umgeben war. Ein Teil der Mauer südlich der Kirche ist heute noch erhalten. Dort gab es auch ein Beinhaus („Gerner“ ).





Das markgräfliche Jagdschloss („Schloss“) befand sich im Bereich beim heutigen Alten Schulhaus und Kindergarten. Es ist anzunehmen, dass das Schloss mit Nebengebäuden in der Art eines Gehöftes den Platz zwischen Mauer und Kriegsstraße (heute Zugang zum Kindergarten ) einnahm.
Das Aussehen des „Schlosses“, das 1674 abgerissen wurde, ist nicht bekannt. Es war frühestens im 16. Jh. erbaut worden und war vermutlich ein größeres Wohnhaus, vielleicht mit fürstlichen Attributen wie Treppengiebel, Portal und Hofeinfahrt. So wurde es rekonstruiert.
Dass vermutlich schon rund 400 Jahre vorher am gleichen Platz eine Burg, vielleicht eine Wasserburg, existierte, konnte im Modell nicht dargestellt werden. In den Akten wird berichtet, dass das „Castellum“ von seinem Besitzer Simon von Zweibrücken und Graf von Eberstein 1279 in einer Fehde mit dem Markgrafen von Baden selbst in Brand gesetzt wurde.




Betrachter des Modells vermissen vielleicht den Friedensplatz und die Murgtalstraße. An der Stelle der Murgtalstraße verlief nur die schmale Brunnengasse mit einem Fußgängertor nach außen.
Der Friedensplatz war früher bebaut. Erst nach dem Brand von 1868 hat man den Platz freigelassen, die Straße verbreitert und ein Stück Mauer( bei der Alten Schule ) abgerissen, um eine Durchfahrt in das Murgtal zu schaffen. Vorher konnte man nur außerhalb der Mauern über die Schlossstraße ins Murgtal fahren.


Das Obere Tor
Versuch einer Rekonstruktion in vergrößertem Maßstab



Das Obere Tor war das mächtigste Bauwerk der Kuppenheimer Befestigung.
Es stand in der Mitte der Friedrichstraße bei der Weinhandlung Görig / Söhne und somit an der im Mittelalter am meisten bedrohten Stelle der Stadt Richtung Süden.
Leider existiert vom ihm kein historisches Bild.
Aber aus Hinweisen in verschiedenen Akten weiß man:

Er war rund 30 m hoch

An drei Seiten war er „von Stein aufgemauert“, folglich an der vierten Seite Richtung Stadt aus Fachwerk

Am obersten Stockwerk (vermutlich ebenfalls Fachwerk ) waren Erker an den Ecken.

In diesem obersten Stockwerk befand sich ein Wachstube für die Hochwächter.

Vor dem Turm führte eine Zugbrücke über den Graben

Der Turm begrenzte auch die vom Osten kommende Zwingelmauer

Er diente wie auch das Untere Tor zugleich als Gefängnis.




 
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